Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte

Autismus und ADHS

Kurz gesagt: Autismus und ADHS können gleichzeitig vorkommen. Warum eine Diagnose die andere nicht 'verschlucken' sollte – und wie sich Überschneidungen im Alltag einordnen lassen.

Für autistische Menschen

Autismus und ADHS können gleichzeitig vorkommen. Beide sind eigenständige neuroentwicklungsbezogene Diagnosen. In großen Übersichtsarbeiten gehört ADHS zu den häufigen koexistierenden Diagnosen bei autistischen Menschen.

Im Alltag können sich einzelne Schwierigkeiten ähnlich anfühlen: Aufgaben beginnen, Aufmerksamkeit halten, zwischen Tätigkeiten wechseln, Dinge organisieren oder Impulse steuern. Aus solchen Überschneidungen lässt sich aber nicht allein ableiten, welche Diagnose dahintersteckt.

Mein Tipp: Wenn du trotz bekannter Autismusdiagnose starke Aufmerksamkeits-, Organisations- oder Impulsivitätsprobleme hast, kann eine eigenständige ADHS-Abklärung sinnvoll sein. Eine Diagnose sollte nicht die andere verschlucken.

Mehr zur Abgrenzung verschiedener Diagnosen: Differenzialdiagnostik.

Für Angehörige

ADHS und Autismus können gleichzeitig vorkommen und sich in einzelnen Alltagssituationen überlappen. Konzentrationsprobleme, Aufgabenwechsel oder Organisation können deshalb nicht zuverlässig allein von außen einer Diagnose zugeordnet werden.

Wenn du einen Verdacht hast, beschreibe lieber konkrete Situationen: Was gelingt nicht? Seit wann? In welchen Umgebungen? Welche Folgen hat es? Das ist hilfreicher als “Das ist bestimmt auch ADHS”.

Bei erwachsenen Angehörigen gilt: Du kannst eine Abklärung anregen und bei Wunsch unterstützen. Die Entscheidung darüber, ob eine Diagnostik gewünscht ist, liegt grundsätzlich bei der Person selbst.

Für Fachkräfte

ADHS gehört in großen Meta-Analysen zu den häufigen koexistierenden neuroentwicklungsbezogenen Diagnosen bei Autismus. Symptomatische Überlappungen betreffen unter anderem Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen, Aufgabenwechsel und Regulation.

Für die Differentialdiagnostik reicht die phänotypische Ähnlichkeit nicht. Entwicklungsverlauf, Funktionszusammenhang, Kontextbreite und für ADHS typische Kernsymptome müssen eigenständig beurteilt werden.

Eine bestehende Autismusdiagnose sollte eine ADHS-Abklärung bei klinischem Verdacht nicht verhindern; umgekehrt erklärt ADHS keine autistischen Kernmerkmale.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.

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Quellen