Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte

Selbstverletzendes Verhalten

Kurz gesagt: Selbstverletzendes Verhalten hat viele mögliche Funktionen und Ursachen. Warum eine funktionale Analyse hilfreicher ist als moralische Bewertung.

Wenn Suizidgedanken oder eine akute Krise im Vordergrund stehen, findest du sofortige Hilfe im Beitrag Suizidalität – oder wähle direkt 112 beziehungsweise die TelefonSeelsorge (0800 1110111).

Für autistische Menschen

Selbstverletzendes Verhalten ist kein einheitliches Phänomen. Es kann mit Schmerz, Überlastung, sensorischer Regulation, Kommunikation von Belastung, Angst, Schlafproblemen oder psychischen Erkrankungen zusammenhängen. Auf Gruppenebene ist Selbstverletzung bei autistischen Menschen häufiger beschrieben.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen selbstverletzendem Verhalten ohne Suizidabsicht und suizidalem Verhalten. Beides kann ernst sein, aber die Funktionen und die notwendige Hilfe können unterschiedlich sein.

Selbstverletzung sollte deshalb nie einfach als “Aufmerksamkeitssuche” abgetan werden. Sinnvoll ist eine medizinische, psychische und funktionale Abklärung: Was passiert davor, was erfüllt das Verhalten, gibt es Schmerzen oder akute Überforderung?

Für Angehörige

Selbstverletzung kann viele Funktionen oder Ursachen haben: Schmerz, Überlastung, sensorische Regulation, Angst, Schlafprobleme, Kommunikation von Belastung oder psychische Erkrankungen.

Nicht jedes selbstverletzende Verhalten ist suizidal. Trotzdem sollte es ernst genommen und fachlich eingeordnet werden.

Hilfreich ist, statt moralisch zu bewerten, konkret zu beobachten: Was passiert vorher? Gibt es körperliche Beschwerden? Welche Anforderungen oder Reize waren da? Was verändert sich unmittelbar danach? Bei Verletzungsgefahr oder akuter Krise ist professionelle Hilfe nötig.

Für Fachkräfte

Selbstverletzendes Verhalten ist heterogen. Epidemiologische Meta-Analysen zeigen erhöhte Risiken bei autistischen Menschen, sagen aber wenig über die Funktion im Einzelfall aus.

Eine funktionale und medizinische Analyse sollte Schmerz, somatische Erkrankung, sensorische Regulation, Kommunikationsfunktion, akute Überforderung, Angst, Schlaf und weitere psychische Erkrankungen einbeziehen.

Nichtsuizidale Selbstverletzung und suizidale Handlungen sind zu unterscheiden. Eine rein verhaltensbezogene Unterdrückung ohne Ursachenanalyse kann relevante klinische Faktoren übersehen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.

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Quellen