Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte

Was bedeutet das Ergebnis?

Kurz gesagt: Was ein negatives oder uneindeutiges Diagnostik-Ergebnis bedeutet und was nicht – und wann eine qualifizierte Zweitmeinung sinnvoll sein kann.

Für autistische Menschen

Ein negatives Ergebnis bedeutet nicht, dass deine Schwierigkeiten eingebildet oder unwichtig sind. Es bedeutet, dass die diagnostischen Kriterien nach den vorliegenden Informationen nicht ausreichend erfüllt oder nicht ausreichend belegbar waren.

Bitte um eine nachvollziehbare Rückmeldung: Welche Kriterien wurden als erfüllt angesehen? Welche nicht? Welche anderen Erklärungen wurden geprüft? Welche Unterstützung ist unabhängig von der Diagnose sinnvoll?

Wenn erhebliche fachliche Zweifel bleiben – zum Beispiel weil zentrale Entwicklungsinformationen gar nicht berücksichtigt wurden oder die Begründung nicht nachvollziehbar ist – kann eine qualifizierte Zweitmeinung sinnvoll sein. Eine Zweitmeinung ist aber nicht dasselbe wie so lange Diagnostikstellen zu wechseln, bis das gewünschte Ergebnis entsteht.

Du kannst dich mit autistischen Erfahrungen identifizieren, bevor du eine formale Diagnose hast oder auch wenn du keine Diagnostik anstrebst. Trotzdem bleiben Selbstidentifikation und klinische Diagnose zwei unterschiedliche Ebenen: Persönliche Erfahrung verdient Ernstnahme – und eine klinische Diagnose hat eigene fachliche Kriterien.

Für Angehörige

Ein negatives oder uneindeutiges Ergebnis kann enttäuschend oder verwirrend sein. Angehörige helfen oft am meisten, wenn sie nicht sofort bewerten, sondern zuhören.

Vorhandene Schwierigkeiten bleiben real, auch wenn die Autismusdiagnose nicht gestellt wird. Sinnvoll ist eine verständliche Rückmeldung dazu, wie das Ergebnis zustande kam und welche anderen Erklärungen oder Hilfen infrage kommen. Wenn fachlich begründete Zweifel bestehen, kann eine Zweitmeinung sinnvoll sein.

Ein Satz, den ich Angehörigen besonders mitgeben möchte: Versuche nicht, die Diagnose aus einem Testwert abzulesen. Hilf lieber dabei, Entwicklung, Alltag und konkrete Belastungen verständlich zu beschreiben. Die Frage ist nicht nur: “Hat die Person Autismus?” Ebenso wichtig ist: “Was braucht sie, damit Alltag, Kommunikation und Teilhabe besser funktionieren?”

Für Fachkräfte

Gute Diagnostik erklärt nicht nur das Ergebnis, sondern seine Grundlage. NICE empfiehlt, Zweck und Form der Rückmeldung zu Beginn zu besprechen und Ergebnisse individuell zu vermitteln. Bei Kindern und Jugendlichen soll auch bei nicht gestellter Diagnose erklärt werden, wie die Schlussfolgerung zustande kam.

Bei diagnostischer Unsicherheit sollte diese benannt werden. Ein nicht erfülltes Autismusprofil entwertet bestehende Beeinträchtigungen nicht; je nach Befund sind alternative Diagnostik oder bedarfsorientierte Hilfen zu empfehlen.

Nach gesicherter Diagnose sollte Nachsorge angeboten werden. NICE empfiehlt Erwachsenen einen Folgetermin und Kindern/Jugendlichen einen Termin innerhalb von sechs Wochen; Letzteres ist kein deutscher Rechtsanspruch, aber ein sinnvolles Qualitätskriterium.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.

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Quellen