Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte
Interozeption
Kurz gesagt: Der Sinn für innere Körpersignale wie Hunger, Durst, Schmerz oder Herzschlag.
Verwandte Themen: Alexithymie, Propriozeption und Reizverarbeitung.
Was bedeutet das?
Interozeption ist der Sinn für Signale aus dem eigenen Körperinneren – zum Beispiel Hunger, Durst, Herzschlag, Atmung, Blasendrang, Temperatur oder Schmerz. Sie ist eine wichtige Grundlage dafür, körperliche Zustände wahrzunehmen, einzuordnen und rechtzeitig darauf zu reagieren.
Wie kann sich das zeigen?
Interozeptive Signale können unterschiedlich stark oder schwach wahrgenommen werden. Das kann sich zum Beispiel zeigen als:
- Hunger, Durst oder die Notwendigkeit einer Pause werden erst sehr spät bemerkt.
- Schmerzen oder Krankheitssymptome werden schwer eingeordnet oder in ihrer Intensität schwer einzuschätzen.
- Körperliche Anspannung wird erst bemerkt, wenn sie bereits sehr stark ist – etwa kurz vor einem Overload.
- Manche Signale werden dagegen besonders intensiv wahrgenommen.
Was wissen wir aus der Forschung?
Interozeptionsforschung bei Autismus ist ein noch relativ junges, wachsendes Feld. Studien deuten darauf hin, dass interozeptive Wahrnehmung bei manchen autistischen Menschen verändert sein kann, mit Zusammenhängen zu Emotionswahrnehmung und Alexithymie. Wie genau Interozeption, Alexithymie und Emotionsregulation bei Autismus zusammenhängen, ist noch Gegenstand laufender Forschung; einheitliche, für alle autistischen Menschen geltende Aussagen lassen sich derzeit nicht treffen.
Was bedeutet das im Alltag?
Wenn innere Signale spät oder undeutlich wahrgenommen werden, kann das dazu führen, dass Hunger, Erschöpfung oder Überlastung erst bemerkt werden, wenn sie bereits stark ausgeprägt sind – zum Beispiel kurz vor einem Overload oder Shutdown.
Was kann helfen?
- Feste Zeiten für Essen, Trinken und Pausen einplanen, statt sich allein auf das Hungergefühl zu verlassen.
- Erinnerungen oder Timer für Pausen und Grundbedürfnisse nutzen.
- Frühwarnzeichen von Überlastung im Vorfeld gemeinsam mit Angehörigen oder Fachkräften erarbeiten, statt erst im akuten Zustand danach zu suchen.
- Bei starken oder unklaren Körpersymptomen: diese trotz Unsicherheit ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.
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