Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte
Kommunikation
Kurz gesagt: Warum Kommunikation auch bei sehr guter Sprachfähigkeit anstrengend sein kann, welche Anpassungen helfen können – und was das für Angehörige und Fachkräfte bedeutet.
Missverständnisse in der Kommunikation entstehen häufig auf beiden Seiten. Mehr dazu im Beitrag Double Empathy und Missverständnisse.
Für autistische Menschen
Auch wenn du sehr gut sprechen kannst, kann Kommunikation anstrengend sein. Vielleicht verstehst du konkrete Aussagen problemlos, bist bei Andeutungen aber unsicher. Vielleicht brauchst du länger zum Antworten oder kannst unter Stress plötzlich schlechter formulieren.
Das bedeutet nicht, dass dir Sprache oder Verständnis fehlen.
Du darfst Kommunikation anpassen
Es kann völlig sinnvoll sein,
- wichtige Dinge schriftlich zu klären,
- um konkrete Fragen zu bitten,
- mehr Antwortzeit einzufordern,
- Gespräche vorzubereiten,
- nachzufragen, wenn etwas mehrdeutig ist,
- Unterstützte Kommunikation auch nur in bestimmten Situationen zu verwenden.
Du musst nicht möglichst “normal” kommunizieren. Kommunikation soll funktionieren.
Für Angehörige
Autistische Kommunikation kann anders funktionieren. Manche Menschen brauchen sehr konkrete Aussagen. Andere benötigen mehr Zeit zum Antworten oder bevorzugen schriftliche Kommunikation. Unter Stress kann eine Person, die normalerweise problemlos spricht, vorübergehend deutlich weniger kommunizieren.
Was häufig hilft
- konkret statt indirekt sprechen
- Erwartungen ausdrücklich benennen
- wichtige Absprachen schriftlich festhalten
- Zeit zum Antworten lassen
- nicht allein aus Mimik oder Blickkontakt auf Gefühle schließen
- nachfragen, statt Absichten zu vermuten
Eine häufige Quelle von Konflikten sind Interpretationen. Statt “Du interessierst dich überhaupt nicht dafür” kann hilfreicher sein: “Ich habe dir gerade etwas erzählt und weiß nicht, wie du es aufgenommen hast.”
Für Fachkräfte
Kommunikationskompetenz und Lautsprache sind nicht gleichzusetzen. Auch sprachlich sehr kompetente autistische Menschen können Schwierigkeiten mit Mehrdeutigkeit, impliziten Erwartungen, pragmatischer Kommunikation oder schneller Informationsverarbeitung erleben.
Umgekehrt darf wenig oder fehlende Lautsprache nicht automatisch als Hinweis auf geringes Verständnis interpretiert werden.
Mögliche professionelle Anpassungen
- konkrete Sprache
- transparente Erwartungen
- schriftliche Ergänzungen
- reduzierte Mehrdeutigkeit
- angemessene Antwortzeit
- visuelle Informationen
- AAC beziehungsweise Unterstützte Kommunikation
- Verständnis aktiv überprüfen
Wichtig ist außerdem, die autistische Person direkt anzusprechen, auch wenn Angehörige oder Assistenzpersonen anwesend sind.
Stand:
Quellen
- WHO: ICD-11, Autism spectrum disorder (6A02), Clinical Descriptions and Diagnostic Requirements (öffnet auf einer anderen Website)
- NICE CG142: Autism spectrum disorder in adults: diagnosis and management (öffnet auf einer anderen Website)
- NICE CG170: Autism spectrum disorder in under 19s: support and management (öffnet auf einer anderen Website)